Mitte des XIX Jahrhunderts gab es in den Vorstädten von Paris Hunde, die ähnlich gebaut waren wie englische Toy Bulldogs, die verarmte englische Klöpler mit sich aus Nottingham brachten. Sie wurden Terrier-bull genannt und waren beliebte Begleiter von Weinhändlern, Viehhändlern, Metzgern und Kutschern. Schon im Jahre 1875 begannen einige Liebhaber aus bescheidenen Verhältnissen mit der Auswahl und der Kreuzung gedrungener Exemplare mit kurzer Schnautze. 1880 brachte einer der ersten Züchter einen Hund mit stumpfer Nase aus Belgien, Loupi. Dieser zeugte eine Vielzahl von Nachkommen, unter anderen auch Rabot de
Beaubourg, einen der Träger der Rasse, Vater von Dick de la Mare II. Der Zeitraum der
tatsächlichen Erschaffung des »Boule« liegt zwischen 1888 und 1896: da wird den Züchtern erstmals bewußt, was ihn vom Toy Bulldog unterscheidet. 1898 werden die von den Engländern so geschätzten eingerollten Ohren zugunsten der »Fledermausohren« aus dem Standard entfernt. Die Französische Bulldogge war geboren, bereit die bessere Gesellschaft und Künstlerkreise zu erobern. Bald entdeckten ihn Aristokraten wie Edvard VII, Kronfürstin Tatjana und Prinz Yussupov, der gesammte Zarenhof; berümte Schriftsteller wie Colette mit ihrem Tobby chien und ihre anderen Bullis, die sie in ihrem Buch über Hunde beschrieb, Pierre Mac-Orlan der sagte, eine Bulldogge sei kein Hund sondern Jemand und später Jean Cocteau, ein wahrer Botschafter der Rasse. Wenige Mahler stellten ihn so gut dar
wie Toulouse-Lautrec. Unter Künstlern begleitete er den Sä
nger Caruso, Josephine Baker, Mistinguett, Schaljapin; in näherer Vergangenheit Yves Saint Laurent, Jean Alesi, den König von Marokko, Prinzessin Caroline von Monaco und etliche bekannte Schauspieler(inen) und Sänger(inen).
Der rattenfangende Vorstadtbengel war mit Hilfe halbmondäner Damen in kürzester Zeit von der hölzernen Kutschenbank auf die gepolsterten Sessel der Salons gesprungen.